Prognosen lagen falsch: Verkehr stagniert, Schwerlast sinkt – dennoch bleibt über 50 % des Verkehrs im Ort.
Die Verkehrsentwicklung: Prognosen von gestern – Realität von heute
Die Erwartungen von 2005

Im Jahr 2005 gingen die Prognosen davon aus, dass der Verkehr in der Region deutlich steigen würde – insbesondere der LKW-Verkehr. Erwartet wurde ein Zuwachs von rund 25 Prozent.
Die tatsächliche Entwicklung bis 2024
Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch: Diese Annahmen sind nicht eingetreten.
- Der PKW-Verkehr ist in zehn Jahren nur um 5 Prozent gestiegen.
- Der Schwerverkehr ist im selben Zeitraum sogar um 45 Prozent zurückgegangen.
- Insgesamt bewegen sich die Verkehrsmengen seit Jahren zwischen leicht rückläufig und stagnierend.
Die befürchtete Verkehrswelle ist ausgeblieben.
2. Die Situation im Ort: Warum trotz sinkender Zahlen keine echte Entlastung entsteht
Über 50 Prozent des Verkehrs bleibt im Ort
Eine aktuelle Quell- und Zielverkehrserhebung zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Fahrten ihren Ursprung oder ihr Ziel in Neunkirchen haben. Dieser Verkehr ist innerörtlich geprägt – und würde auch mit einer Umgehung im Ort bleiben.
Die Folge: Die Hauptlast bleibt bestehen
Selbst wenn der Gesamtverkehr nicht steigt, bedeutet das nicht, dass der Ort automatisch leiser oder sicherer wird. Der innerörtliche Verkehr bleibt fast unverändert bestehen – mit allen bekannten Belastungen: Lärm, Durchfahrten, Feinstaub, Gefährdung an Querungen.
3. Was bedeutet das für die Bewertung der Umgehung?
Lösungsversprechen, die nicht eingelöst werden können
Die Umgehung kann nur den Verkehr reduzieren, der durch den Ort hindurchfährt. Den Großteil der Belastung – den innerörtlichen Verkehr – kann sie jedoch nicht verringern. Damit bleibt das Kernproblem bestehen.
Hoher Eingriff bei geringem Nutzen
Gleichzeitig bringt der Bau einer neuen Straße erhebliche Auswirkungen mit sich:
- Verlust wertvoller Natur- und Landwirtschaftsflächen
- Risiken für Wasserhaushalt und Hochwasserabfluss
- Lärmbelastung durch erhöht geführte Trassen
- Hohe Kosten ohne garantierten Entlastungseffekt
Veraltete Planungsgrundlagen
Ein Teil der Argumente für die Umgehung stützt sich auf bis zu 50 Jahre alte Annahmen – aus einer Zeit, in der Verkehr, Fahrzeuge, Mobilität und Umweltwissen völlig andere Rahmenbedingungen hatten.
4. Fazit: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die aktuelle Datenlage zeigt ein stimmiges Bild:
- Der Verkehr nimmt nicht zu, sondern stagniert oder geht zurück – besonders im Schwerlastbereich.
- Eine Umgehung kann den Ort nicht in dem Maß entlasten, wie häufig versprochen wird.
- Die negativen Folgen des Neubaus wären dagegen dauerhaft und erheblich.
Es bleibt die entscheidende Frage:
Kann man einen derart weitreichenden Eingriff verantworten, wenn der erwartete Nutzen so gering ist?